Kein Handlungsbedarf: Im weltweiten Vergleich produziert unsere heimische Landwirtschaft Spitzenerträge – ganz ohne GentechnikDer Bauernbund Brandenburg hat an die Europaabgeordneten appelliert, die im April zur Abstimmung vorgesehene Verordnung für eine Deregulierung der neuen Gentechnik entschieden abzulehnen. „Der vorliegende Entwurf ist in sich zutiefst widersprüchlich“, sagte Bauernbund-Vorstand Thomas Kiesel: „Einerseits sollen so genannte NGT1-Pflanzen leichter zugelassen werden, weil sie herkömmlichen Züchtungen vergleichbar erzeugt wurden, andererseits dürfen sie nach wie vor patentiert sein, was für eine technische Erfindung und damit eben nicht für herkömmliche Züchtung spricht.“ Wenn Saatgut dem Patenrecht unterliegt, führe das direkt in die Abhängigkeit von großen Konzernen, befürchtet der 55jährige Ackerbauer aus Barsikow im Ruppiner Land, außerdem werde der Verbraucher in die Irre geführt, da NGT1-Pflanzen in Lebensmitteln nach der geplanten Verordnung nicht gekennzeichnet sein müssen: „Bauern und Verbraucher lehnen diese Deregulierung deshalb nahezu geschlossen ab – wer steht eigentlich hinter dem Verordnungsentwurf außer einer Handvoll eitler Professoren, gieriger Manager und schmieriger Lobbyisten?“
Bereits durch das gegenwärtige Sortenschutzrecht und dessen juristische Auslegung würden Landwirte gezwungen, den Saatgut-Konzernen Einblick in ihre betrieblichen Daten zu gewähren und deren Lizenzansprüchen immer weiter nachzugeben, argumentiert der Bauernbund. Mit der Marktdurchsetzung patentierter NGT1-Pflanzen würde daraus eine totale Abhängigkeit – wichtige Eigenschaften künftiger Nutzpflanzen würden monopolisiert und könnten nicht mehr ohne Zustimmung der Patentinhaber verwendet werden. Kiesel sieht zwar weltweit noch keine konkreten Vorteile von NGT1-Pflanzen, warnt aber: „Durch die Marktmacht der Konzerne und gezielte staatliche Einflussnahme zu ihren Gunsten könnte der Druck zunehmen. Da geht es dann um so edle Ziele wie Anpassung an den Klimawandel oder Einsparungen beim Pflanzenschutz und plötzlich bleibt nur noch Gentechnik übrig.“ Die unternehmerische Entscheidung darüber, welches Saatgut verwendet wird, müsse aber in der Hand der Bauern bleiben, verlangt Kiesel. Um so wichtiger sei es, die Verordnung im Parlament scheitern zu lassen.