Der Bauernbund Brandenburg vertritt fachkundig und unabhängig die Interessen der bäuerlichen Familienbetriebe im Land und hat aktuell 470 Mitglieder.

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Bauernbund Brandenburg sieht Rapsblüte in Gefahr: Wir brauchen wieder wirksame Beizen für das Saatgut

Bald ausgeblüht? Die mit Raps bebaute Fläche in Brandenburg verringert sich von Jahr zu Jahr ...Bald ausgeblüht? Die mit Raps bebaute Fläche in Brandenburg verringert sich von Jahr zu Jahr ...Anlässlich des Endes der Rapsblüte hat der Bauernbund Brandenburg sein Bedauern über den schleichenden Rückgang des Rapsanbaus im Land zum Ausdruck gebracht. „In den vergangenen zehn Jahren ist die mit Raps bebaute Fläche um rund 30 Prozent zurückgegangen und immer noch überlegen viele Betriebe wegen des nicht mehr wirtschaftlichen Aufwandes bei der Schädlingsbekämpfung aus dem Rapsanbau auszusteigen“, berichtet Oliver Schulze, Landwirt und Imker aus Barsikow im Ruppiner Land und als Bienenbeauftragter des Bauernbundes in Sorge um das Nahrungsangebot für Honigbienen auf märkischen Feldern. Insbesondere der Rapserdfloh habe sich seit dem vollständigen Verbot der neonikotinoiden Beizen massiv vermehrt, so dass die Rapspflanzen bereits in ihrer frühen Entwicklung geschwächt würden, stellt Schulze fest: „Im Ergebnis müssen nachträglich viel mehr Pflanzenschutzmittel ausgebracht werden als früher, was ökologisch und finanziell grenzwertig ist und in der Tendenz leider zur Aufgabe des Rapsanbaus führt. Wenn wir wirklich etwas für die Bienen tun wollen, muss zuerst das Verbot der Beizen weg.“

Raps hat mehrfachen Nutzen: Aus seinen Körnern wird Speiseöl gepresst und Viehfutter gewonnen, die Ernterückstände verbessern den Boden und schaffen damit optimale Voraussetzungen für die Folgekultur, weshalb die eigentlich anspruchsvolle Pflanze auch auf märkischen Sandböden zum Einsatz kam, so Schulze: „Das Aus für den Raps verringert damit auch die Möglichkeiten einer vielfältigen und gesunden Fruchtfolge auf unseren Äckern.“

Ursächlich für das Beizverbot sei ein Bienensterben am Oberrhein vor 18 Jahren gewesen, als einige Chargen nicht richtig am Saatkorn hafteten, erinnert sich der Landwirt und Imker: „Danach haben groß angelegte Kampagnen der Umweltverbände gegen neonikotinoide Wirkstoffe insgesamt die Politik zu Einschränkungen und schließlich zum vollständigen Verbot veranlasst.“ Dass ein regional begrenzter Unfall eine politische Kettenreaktion auslöst, in deren Folge – natürlich unbeabsichtigt – zunächst der Pflanzenschutzaufwand flächendeckend steigt und dann eine wichtige Kulturpflanze aus der Fläche verschwindet, zeige wie irrational die gesellschaftliche Diskussion über landwirtschaftliche Themen geworden sei, beklagt der Bauernbund.

Schulze wünscht sich von der Landesregierung eine fachlich begründete Initiative für die Wiederzulassung neonikotionider Beizen, die bei sachgemäßer Anwendung keine Gefahr für seine Honigbienen darstellen: „Ich möchte auch in Zukunft blühende Rapsfelder in Brandenburg sehen, und sei es als Augenweide oder als Bienenweide. Die kann man nämlich nicht importieren.“